EINFLUSS DER BODENGARE AUF DIE PFLANZENENTWICKLUNG BEIM MAIS

Stefan Pohl, Leiter Außendienst und Vertriebsleiter Süd bei RAGT Saaten Deutschland
Die Klimaveränderung ist gerade beim Maisanbau in den letzten Anbaujahren sehr stark spürbar. Extreme Witterungssituationen treten immer häufiger auf. Wir verzeichnen sehr hohe Temperaturschwankungen mit ausgeprägten Hitzephasen bzw. Trockenperioden sowie ungleichmäßigere Niederschläge, die sich zunehmend auf die Wintermonate verteilen, und häufigere Starkregenereignisse.
Die Witterung können wir nicht ändern, sie hat aber entscheidenden Einfluss auf den Anbau und die Erträge. Der Mais als Sommerung und wichtigste Futterpflanze für die Sicherstellung der Grundfutterversorgung steht hierbei besonders im Fokus.
Die Kulturart Mais stellt keine hohen Ansprüche an die Bodenart, wohl aber an die Bodenbeschaffenheit. Aufgrund der beschriebenen Veränderung der Witterung kommt es auf folgende Faktoren besonders an:
- Verbesserung der Regenverdaulichkeit
- Erhaltung und Verbesserung der nutzbaren Feldkapazität
- Versorgung der Böden mit organischer Substanz bzw. Aufbau von Humus als wichtiger Faktor zur Wasserspeicherung, da Humus das sechs- bis achtfache des Eigengewichts an Wasser im jeweiligen Anbaujahr speichern kann
- Schaffung von Beregnungsmöglichkeiten
- Schaffung von Entwässerungsmöglichkeiten (Drainage/Reinigung
- von Vorflutern)
- Anpassung des Anbauregimes, z. B. durch Zwischenfrüchte/Winterbegrünung
In der Regel betrachten wir nur oberirdisch die grüne Pflanzenmasse, wohingegen dem unterirdischen Teil kaum Beachtung geschenkt wird. Das Wurzelsystem macht jedoch einen Großteil der Maispflanze aus.
Das vegetative Wachstum und damit auch das Wurzelwachstum der Maispflanze ist mit Eintrocknen der Narbenfäden abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt sind auf einem Hektar ca. 8.000 bis 11.000 km Maiswurzeln entstanden. Da Mais sowohl Flach- als auch Tiefwurzler ist, kommt dem Bodenraum und dessen Versorgung mit Nährstoffen eine besondere Bedeutung zu.
Auf die naturliche Lagerungsdichte kommt es an
Der für Pflanzen und deren Wachstum optimale Zustand ist dann erreicht, wenn der Boden – und das gilt für jede Bodenart – seine natürliche Lagerungsdichte aufweist. Warum ist dies entscheidend? Optimales Maiswachstum ist dann erreicht, wenn wir 80 % nutzbare Feldkapazität im Boden haben, also ein gutes Verhältnis von Wassersättigung und Luft im Boden. Jede Bodenart hat ihre natürliche Lagerungsdichte, in der das Verhältnis der Grob-, Mittel- und Feinporenanteile optimal ist. Dies bedeutet, dass jeder Boden seine maximale, aber bodenspezifische nutzbare Feldkapazität erreicht – die nFK ist vor allem in den engen Grobporen und Mittelporen vorhanden.
Diesen Garezustand zu erreichen, muss das Ziel der Grundbodenbearbeitung sein. Die Saatbettbereitung erfüllt die wichtige Aufgabe, der Kultur Mais ein dem TKG entsprechendes Saatbett bereitzustellen. Es muss und soll von der Struktur gar nicht zu fein sein.
Jegliche Schadverdichtungen der Böden sind zu vermeiden. Durch das Zusammenpressen der Bodenpartikel verringern sich Grob- und Mittelporen und mit ihnen in gleichem Maße die jeweilige bodenarttypische nutzbare Feldkapazität. Die damit einhergehende Verkleinerung der Porendurchgängigkeit im Boden schränkt die Wasserinfiltration ein. Folglich wird durch Schadverdichtungen nicht nur das Wurzelwachstum gehemmt, sondern es steigt auch die Gefahr von Staunässe und Bodenerosion. Bekanntermaßen sind die schluffreichen Oberböden (Ap‑/Al‑Horizonte) stark erosionsgefährdet, neigen zu Verschlämmung und Verkrustung und sind verdichtungsempfindlich. Dies führt im Übrigen zur Empfehlung, die Bearbeitungsintensität und -tiefe im Frühjahr, der Bodenart anzupassen. Die Lockerungs- und Bearbeitungsintensität ist vor allem bei schluffigen, aber auch bei sandigen Böden vor Mais schwach krümelnd einzusetzen. Die Saatbettbereitung muss darauf abzielen, dass sich der gelockerte Boden schneller erwärmen kann und durch eine bessere Belüftung die Mineralisation angeregt wird. Die Bearbeitungstiefe für das Saatbett ist so zu wählen, dass das Saatkorn auf die unbearbeitete Schicht abgelegt wird. Dies kann je nach Saattermin und Bodenart zwischen 4 und 9 cm sein.
Als Folge der Verschlechterung der Bodengare und durch das Nichterreichen der natürlichen Lagerungsdichte der Böden in Form von Schadverdichtungen ist der Gasaustausch im Boden verlangsamt. Das daraus resultierende Absinken des Sauerstoffgehalts in der Bodenatmosphäre führt zu verringertem Wurzelwachstum und vor allem speziell beim Mais zu verringerter Eindringtiefe der Wurzeln. Die N-Umsetzungsprozesse sind unter diesen Bedingungen so verlangsamt, dass dem Mais in der Hauptwachstumsphase die täglich notwendigen Stickstoffmengen von bis zu 11 kg pro Hektar nicht zur Verfügung stehen.
Diese hier dargestellten Zusammenhänge gelten für alle Bodenarten. Aufgrund der aufgeführten Witterungsereignisse wie Starkregen oder Trockenperioden kommt der Bodengare als Erfolgsfaktor im Mais eine zentrale Rolle zu. Als Steuerungsinstrumente stehen dem Anbauer sämtliche Bodenbearbeitungsmaßnahmen und der Anbau der Zwischenfrüchte nach Ernte der Vorfrucht zur Verfügung. Ziel aller Maßnahmen ist es, dass sich der Ober-, aber auch der Unterboden in der natürlichen Lagerungsdichte befindet. Denn nur dann erreicht eine Bodenart die bodenspezifisch höchste nFK.
Grundsätzlich gilt es, zu hohe Radlasten und Schlupf bei jeder Überfahrt zu vermeiden. Die Bedeutung einer ausreichenden Kalkung und ein für die Bodenart optimaler pH-Wert sowie die Versorgung mit organischer Substanz muss hier noch einmal deutlich unterstrichen werden.
Wenn der Anbauer diese Zusammenhänge im Blick behält, kann er den Maisanbau – egal auf welchem Boden, selbst unter ungünstigen Witterungsbedingungen – absichern und erfolgreich gestalten. Die vorherrschende Bodenart kann er nicht verändern – aber er muss die Herausforderungen der Zukunft im Maisanbau annehmen. Die Berater von RAGT helfen gerne dabei!
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