Interview Agrargenossenschaft Karstädt EG

Veröffentlicht am 13/09/2023

AGRARGENOSSENSCHAFT KARSTADT EG:
VERANTWORTUNGSVOLLER ACKERBAU UNTER ERSCHWERTEN BEDINGUNGEN

Die Agrargenossenschaft Karstädt bewirtschaftet im Landkreis Prignitz im Nordwesten Brandenburgs rund 3.500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Angebaut wird überwiegend Getreide sowie Mais, Raps und Zuckerrüben. Etwa 810 Hektar werden als Grünland genutzt. Hauptbetriebszweig ist die Milchviehhaltung mit 1250 Kühen. Julian Brandstädter, Abteilungsleiter Pflanzenproduktion, sprach mit der SI-Redaktion darüber, was es heißt, unter der gegebenen Betriebsausrichtung und den regionalen Anbaubedingungen zukunftsfähigen Ackerbau zu betreiben.

Was muss der Ackerbau als Betriebszweig der Agrargenossenschaft Karstadt leisten und wie schlägt sich das in der Fruchtfolge nieder?

Der Ackerbau muss in erster Linie die Futterversorgung der Milchviehherde und der Nachzucht mit Mais- und Grassilage (Ackergras), hofeigenem Kraftfutter (Getreide- und Maisschrot) sowie Stroh sicherstellen. Darüber hinaus ist der Ackerbau mit den Marktfrüchten ein weiteres wirtschaftliches Standbein im Unternehmen. Dementsprechend wird die Fruchtfolge durch den Futterbedarf und die Preise für Marktfrüchte, aber auch durch unsere Ansprüche an den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und -gesundheit bestimmt.

In welcher Weise beeinflussen Bodengüte und Klima die Auswahl der Kulturen?

Auf allen unseren Standorten ist Maisanbau möglich. Er macht rund 40 % in der Fruchtfolge aus. Für den Anbau von Raps, Weizen, Gerste und Zuckerrüben eignet sich nur etwa die Hälfte der Ackerfläche. Die Nährstoffversorgung und das Wasserhaltevermögen sind hier die limitierenden Faktoren. Klimatisch gesehen ist bei uns die regelmäßig auftretende Vorsommertrockenheit ein großes Problem.

Darunter leiden vor allem Getreide und Raps. Der Mais hingegen kann den Regen im Juli und August noch sehr gut für die Kolbenentwicklung nutzen. Entsprechendes gilt für die Zuckerrüben.

Welche Anteile der erzeugten Feldfruchte dienen der Fütterung? Wie wird der Rest vermarktet?

Der Großteil des erzeugten Maises wird als Silomais in der Rinderfütterung, der Rest in der benachbarten Biogasanlage verwertet. Die Mähdruschkulturen werden im Wesentlichen an den Landhandel vermarktet. Nur etwa 15 % findet Verwendung in der Milchviehherde und der Biogasanlage.

Auf welche Ertrags- und Qualitatseigenschaften legen Sie bei den erzeugten Feldfruchten besonders hohen Wert?

Der Mais muss bei uns immer kolbenbetont sein. Wir möchten möglichst viel Energie für die Rinder und die Biogasanlage ernten. Beim Weizen ist die Zielstellung, ihn als A-Weizen an den Landhandel zu liefern. Darum legen wir zur Sicherung der Auszahlungspreise großen Wert auf gute Proteinwerte und Hektolitergewichte. Bei der Gerste liegt der Fokus auf einem hohen Ertragsniveau und einem guten Hektolitergewicht.

Für Julian Brandstädter ist PONTICUS von RAGT eine sichere Bank im Weizenanbau.

Welche Anforderungen leiten Sie daraus – auch unter Berucksichtigung der Prignitzer Bedingungen – an die Sorten ab?

Abgesehen vom Ertrag, der selbstverständlich eine Rolle spielt, müssen die Sorten eine hohe Trockenheitstoleranz aufweisen und gesund sein. Denn unter unseren trockenen Bedingungen sind wir gezwungen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum einzuschränken, um einen vernünftigen Deckungsbeitrag zu erzielen. Wir wollen aber nicht nur den Geldbeutel schonen, sondern auch die Natur. Da das Ertragsniveau hier niedriger ist als in anderen Regionen Deutschlands, müssen wir außerdem unbedingt die Vermarktungsparameter der aufnehmenden Hand erfüllen, um eine Vermarktung ohne Abzüge sicherzustellen.

Wie gehen Sie bei der Sortenwahl vor, um moglichst die am besten geeignete Sorten herauszufinden?

Im Umkreis von 100 km gibt es keine LSV-Standorte. Darum ziehen wir bei der Sortenwahl die Ergebnisse der regionalen Versuche von Landhandel und Nachbarn sowie die unserer eigenen Sortendemonstrationen heran.

Welchen Umfang nehmen die Sortendemonstrationen ein?

Wir legen jedes Jahr Demonstrationsflächen für Mais, Weizen und Raps mit jeweils zwei bis sechs Sorten an. Pro Sorte sehen wir 0,5 bis einen Hektar vor. Mit dabei sind immer auch Sorten von RAGT. Indem wir die Sorten in der Regel mindestens zwei Jahre begleiten, die Erträge genau erfassen und die maßgeblichen Qualitätseigenschaften im Labor untersuchen lassen, erkennen wir sehr gut, welche Sorten auf unsere Standorte passen und unsere Anforderungen erfüllen.

Mit welchen Sorten sind Sie aktuell sehr zufrieden?

Im Winterweizen setzen wir auf PONTICUS von RAGT, wie viele andere Betriebe in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auch. Er ist gesund, leistungsstark und bringt hohe Qualitäten – also eine sichere Bank. Im Winterraps ist CADRAN eine unserer Hauptsorten. Er hat eine sehr gute Jugendentwicklung und ist ertragssicher. Beim Mais ist RGT BONIFOXX schon seit einigen Jahren unser Favorit, was Qualität und Ertrag angeht. Des Weiteren schätzen wir RGT CHROMIXX als sehr qualitätsbetonten Typ.

Welche weiteren Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidend für einen wirtschaftlichen Ackerbau – nicht nur heute, sondern auch in der Zukunft?

Die Wasserversorgung unserer Kulturen ist und bleibt unsere größte Herausforderung. Wir müssen künftig noch wassersparender arbeiten, das heißt, die Bodenbearbeitung noch weiter reduzieren – im Idealfall bis zur Direktsaat. Das wiederum erfordert Pflanzenschutzmaßnahmen, von denen wir nicht wissen, ob sie uns in naher Zukunft noch zur Verfügung stehen. Von sehr großer Bedeutung für die Wasserspeicherung ist auch der Erhalt und weiterer Aufbau von Humus. Hierbei hilft uns die organische Düngung. Und die Mulchschicht, die wir auf den Flächen belassen, weil wir mangels Wasser die Flächen nicht ganzjährig begrünen können. Neben der Bodenfruchtbarkeit sind qualifizierte Mitarbeiter in Zukunft das wichtigste Gut für einen wirtschaftlichen Ackerbau.

Worin sehen Sie die grosten Herausforderungen fur den Pflanzenbauer in den nachsten Jahren?

Die schwierige Aufgabe besteht darin, den wirtschaftlichen Anbau von Kulturen unter sehr trockenen Verhältnissen, weiteren Einschränkungen bei Düngung und Pflanzenschutz sowie strengeren Einkaufsbedingungen des Landhandels zu gewährleisten. Das erfordert zukünftig noch gesündere sowie noch N-effizientere Sorten. Um geeignete Anbaustrategien zu entwickeln, benötigen wir außerdem seitens der Politik bzw. des Gesetzgebers Planungsgrundlagen für deutlich mehr als fünf Jahre.

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